NZZ Ausgabe vom 11. Dezember 2021
Glaube ist keine Sache des Glaubens, von Sebastian Ostritsch 


Glaube!


Verlässlich wie die Wiederkehr der Jahreszeiten, werden wir vor Weihnachten mit der Frage Gretchens „Wie hast du’s mit der Religion“ konfrontiert. Mit dem programatischen Titel „Glauben ist keine Sache des Glaubens“ gibt Sebastian Ostritsch schon mal die Stossrichtung vor, lässt ungutes vermuten. Wieso Blaise Pascal eine gesicherte Quelle zu diesem Thema sein soll, wird trotz dem Hinweis er sei ein „genialer Mathematiker, Physiker und Wegbereiter der Informatik“ gewesen, nicht deutlich.

Ausgehend davon, dass „es irrational ist, zu denken, dass der Glaube irrational sei“, gilt „Pascals Wette“ als der Versuch dem Glauben einen rationale Rahmen zu geben. Die Wahrscheinlichkeitstheorie soll Hilfestellung sein bei der „Wahl zwischen Glauben und Unglauben, die wohl wichtigste Wahl eines jeden Lebens, schliesslich winkt die ewige Seligkeit, und es droht die ewige Verdammnis“. Ernst Tugenhat schreibt dazu „Eine Meinung die nur auf einem Wunsch beruht, führt im Normalfall zur Realitätsverleugnung, und wenn man dem Wunsch nachgibt zur Halluzination. Dem der nicht glauben kann bleibt, gemäss Blaise Pascal: „einfach all das zu tun, was gläubige Menschen tun. Kurz: Man soll so tun, als ob man glaubte, bis man es wirklich tut.“

Nietzsche hat diese Form der Autosuggestion auch schon vorgeschlagen: „Übung, Übung, Übung! Der dazugehörige „Glaube“ wird sich schon einstellen - dessen seid gewiss!“. Da bleibt uns Agnostikern, die wir den Glauben als Höllen des Zweifels sehen, nur zu hoffen, dass eintrifft was Peter Sloterdijk in seinem Text zu Luther schreibt: „ dass Gott beschliesst , in uns, an sich zu glauben.“

Bertrand Russell hat auf die Frage, wie er reagieren würde, wenn er sich gegen allen Augenschein nach seinem Tode dann doch vor Gottes Thron gestellt sähe, geantworte: „you didn’t give us the evidence“.

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NZZ Ausgabe vom  23. Dezember 2025
Gottesbeweis -> Vielleicht hat sich Kant doch geirrt, von Sebastian Ostritsch

Verlässlich wie die Wiederkehr der Jahreszeiten, werden wir vor Weihnachten mit der Frage Gretchens „Wie hast du’s mit der Religion“ konfrontiert. Mit dem programmatischen Titel „Vielleicht hat sich Kant doch geirrt“ gibt Sebastian Ostritsch schon mal die Stossrichtung vor. Hat Herr Ostritch in der NZZ vom Dezember 2021 noch Blaise Pascal bemüht, muss nun Thomas von Aquin herhalten um unsere Zweifel an Gottes Existenz zu widerlegen. Ich kann nicht nachvollziehen wie Thomas von Aquin, der Frauen als "missglückte Männer" bezeichnet, Juden immerwährende Schuld zuweist, vom "Beischlaf der Teufel mit Menschen" halluziniert uns die Existenz Gottes näherbringen soll. Festzuhalten ist: die Frage ob es einen Gott gibt stellt sich nur für die Gläubigen monotheistischer Religionen, etwa die Hälfte die Weltbevölkerung. Um auf Kant zurückzukommen und seinen Merksatz "wage es, weise zu sein", bleibt die Hoffnung, dass die Eingottgläubigen sich der friedlichen Beilegung ihrer Schismen annehmen und unabhängig davon ob es einen Gott gibt oder nicht zum Frieden auf der Welt beitragen. Es bleibt uns Agnostikerinnen und Agnostikern auf die Frage, wie wir reagieren würden, wenn wir uns nach dem Tode dann doch vor Gottes Thron gestellt sähen - mit Bertrand Russell - Gott die Antwort zu gegeben: „you didn’t give us the evidence“.

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Die Zeit N°24, 28. Mai 2026
Kann man Gott beweisen? Ein Gespräch mit S Ostritsch und Philipp Hübl

Herr Ostritsch scheint die Koryphäe zum Thema Gottesbeweis zu sein. Die Neue Zürcher Zeitung gibt ihm regelmässig Raum zur Mission. Im Dezember 2021 bemüht er Blaise Pascal um 2025 dann Thomas von Aquin Zeugnis ablegen zu lassen um unsere Zweifel an Gottes Existenz zu widerlegen. Ich kann nicht nachvollziehen wie Thomas von Aquin, der Frauen als "missglückte Männer" bezeichnet, Juden immerwährende Schuld zuweist, vom "Beischlaf der Teufel mit Menschen" halluziniert uns die Existenz Gottes näherbringen soll. Festzuhalten ist: die Frage ob es einen Gott gibt stellt sich nur für die Gläubigen monotheistischer Religionen, etwa die Hälfte die Weltbevölkerung. Um auf Kant zurückzukommen und seinen Merksatz "wage es, weise zu sein", bleibt die Hoffnung, dass die Eingottgläubigen sich der friedlichen Beilegung ihrer Schismen annehmen und unabhängig davon ob es einen Gott gibt oder nicht zum Frieden auf der Welt beitragen. Es bleibt uns Agnostikerinnen und Agnostikern auf die Frage, wie wir reagieren würden, wenn wir uns nach dem Tode dann doch vor Gottes Thron gestellt sähen - mit Bertrand Russell - Gott die Antwort zu gegeben: „you didn’t give us the evidence“.

online publiziert
https://www.zeit.de/leserbriefe/2026/24